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"Nicht reden - handeln!"

Das kleine im Hochland von Ecuador gelegene Heim entstand 1989 aus der privaten Initiative von zwei ecuadorianischen Studentinnen und Studenten, Roberto Altamirano und Anita Constante. Roberto besuchte an den Wochenenden Gefangene in verschiedenen Gefängnissen Ecuadors. Bei einem dieser Besuche wurde er auf die verheerende Situation einiger Kinder aufmerksam, die bei ihren straffällig gewordenen Vätern leben mussten. Ein anderes Zuhause hatten sie nicht!

Zu siebt schliefen sie in einer kleinen Zelle auf dem kalten, mit Zeitungen ausgelegten Fußboden, teilten sich das wenige Essen, das man ihnen zukommen ließ und nahmen am täglichen Gefängnisdrill teil. Mehr und mehr wurde ihre Verwahrlosung spürbar, eine Lösung stand aber nicht in Aussicht. Bewegt von der Situation der Kinder und den Worten eines Strafgefangenen: "Es ist schön, dass Du kommst und mit uns redest. Aber Du bist wie alle anderen - Du redest nur und tust nichts! Tu was!", beschloss Roberto sein Leben den Kindern zu widmen.

Kurz darauf gründete er zusammen mit seiner Ehefrau Anita den JARDIN DEL EDEN. Trotz großer finanzieller Schwierigkeiten gelang es Roberto und Anita in den ersten Jahren, 15 Kinder vom Schicksal ihres täglichen Überlebenskampfes zu erlösen und in einem notdürftig hergerichteten ehemaligen Hühnerstall ein neues Zuhause zu geben.

Der Bruder von Roberto, Patricio Altamirano sowie seine Frau Jacqueline arbeiten seit 1995 im Kinderheim mit. Patricios Aufgabe bestand bis zu seinem Tod darin die Kinder und Jugendlichen bei ihren Arbeitseinsätzen zu begleiten und sie einzuteilen. Er überwachte und organisierte alles am Bau. Er war hauptverantwortlich für das Wasserprojekt, mit dem die ganze Gemeinde Panzaleo einen Wasseranschluss erhielt.

Jacqueline ist verantwortlich für die hauswirtschaftliche Leitung der Wohngruppen und der Küche. Mit Pato war sie mit der Begleitung und der Erziehung der Kinder und Jugendlichen betraut. Sie hat bereits zuvor mit Patricio in Conocotto, Quito eine Wohngruppe geleitet.

Engagement Michael Günthers

Michael Güther wurde am 7. Oktober 1968 geboren wuchs in Ebingen, später Albstadt, auf, besuchte dort die Grundschule und – ein Jahr durch einen USA-Aufenthalt unterbrochen - das Gymnasium Ebingen. 1988 machte er das Abitur. Nach 20 Monaten Wehrersatzdienst begann er 1990 sein Studium an der Pädagogischen Hochschule in Weingarten.
In seinen Semesterferien im Frühjahr 1992 kam er während einer Südamerika-Reise – durch Vermittlung seines Spanisch-Lehrers Diego Pezantes - zum ersten Male in das kleine Kinderheim in Panzaleo. Er war seit längerem auf der Suche in einem sozialen Projekt in Südamerika seine Hilfe anzubieten. Auf Grund seines Äußeren (langer Haarzopf, mit vielen bunten Stoffflecken geflickte Jeans usw. wurde er dort zunächst recht misstrauisch empfangen. Es wurden ihm schwere Arbeiten zugewiesen, vielleicht mit dem Hintergedanken, ihn bald wieder loszuwerden. Doch Michael machte, was man ihm auftrug. Er erwies sich schnell als ein aufrechter, fleißiger und solider Mitarbeiter und aus dem anfänglichen Misstrauen wurde eine tiefe Freundschaft zu Roberto und Anita.
Er ließ dann – sehr zum Missfallen seiner Eltern – das nächste Semester ausfallen, arbeitete 7 Monate im Kinderheim. Um Spenden für das Kinderheim zu sammeln, begann er nach seiner Rückkehr und der Wiederaufnahme seines Studiums noch im Spätherbst 1992 mit Vorträgen an Schulen, vor Jugendgruppen und Kirchengemeinden über das Kinderheim, um Spenden zu sammeln. Sein Freundeskreis unterstützte ihn dabei. Dabei war auch Dieter Wolfer, der dann selbst viele Male zur Arbeit im Kinderheim war.
Michael schloss sein Studium und das anschließende Referendariat erfolgreich ab bekam eine Stelle an der Grund- und Hauptschule Meßstetten und bald auch einen Lehrauftrag am Staatlichen Seminar Albstadt. Doch in all den Jahren war er weiterhin unermüdlich aktiv, um Spenden für das Kinderheim zu erhalten.
In den großen Ferien flog er meist nach Ecuador, um dort zu helfen und „seine Kinder“ und seine Freunde wieder zu sehen. Ohne die Hilfe aus Deutschland hätte sich der „Jardin del Eden“ niemals zu dem entwickeln können, was es heute ist.
Am 27. April 2000 starb Michael Günther in der Universitätsklinik von Montpellier an den Folgen eines Kletterunfalls.
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