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Ankommen und Einleben

von Charlotte Wohlgemuth und Kevin Roscher

Nach unserer Hochzeit im August 2017 wollten wir unbedingt raus aus bekannten Gefilden. Entschlossen, etwas für andere - und auch für Gott - zu tun, strebten wir ein soziales Projekt in Südamerika an. Wir lernten Chaka Wasi kennen und entschlossen uns, für rund 7 Monate nach Ecuador in die Einrichtung nach Pujili zu gehen. Nach zwölf Tagen Sprachschule in Quito kamen wir Anfang November in Pujili an. Vielleicht war es gut, uns durch den Aufenthalt in Quito langsam an die Kultur heranzutasten, denn das Leben im ländlichen Gebiet und in den Bergen ist sehr viel traditioneller und von indigener Kultur geprägt. Es hat uns einige Mühe gekostet, unseren Platz zu finden, aber in den letzten zwei Monaten haben wir viel dazu gelernt. So hat es sich zu einem angenehmen Miteinander im Projekt entwickelt. Von den Jugendlichen wurden wir sofort herzlichen aufgenommen und haben mit ihnen sehr viel Spaß. Pädagogisch kommen wir manchmal an unsere Grenzen, aber auch da lernen wir viel im Umgang mit den Jugendlichen (Chicos) dazu. Einige Aktivitäten unsererseits mit den Chicos waren zum Beispiel das gemeinsame Plätzchenbacken vor Weihnachten, ein Adventskalender mit einer fortlaufenden Geschichte und das Schauen eines Weihnachtsfilms. Außerdem wird in jeder freien Minute Fußball und Volleyball gespielt. Ganz aktuell und sehr beliebt ist ein einfaches Würfelspiel.























Dass Hilfe von Volontären hier notwendig ist – besonders um die drei Angestellten zu entlasten - haben wir schnell gesehen und so haben sich unsere Aufgabenfelder herausgebildet und entwickelt. So haben wir nach Absprache mit Rocio die Verantwortung in der Nacht übernommen (so kann Alexandra – Köchin in Centro Chaka Wasi und auch sonst Ansprechpartnerin für vieles mehr – mit ihren Kinder wieder zu Hause schlafen). Unser Tag beginnt damit, dass wir mit den Jugendlichen gemeinsam das Frühstück zubereiten und das „Morgenchaos“ begleiten. Ich gehe dann vormittags Alexandra in der Küche zur Hand. Dienstags kochen wir nun immer deutsches Essen. Kevin kümmert sich um die handwerklichen Sachen im Projekt. Darin sind, so Rocio, unserer Kreativität keine Grenzen gesetzt. So haben wir in den letzten Wochen einiges repariert, auf- und ausgeräumt, renoviert, sauber gemacht und u.a. ein neues Fußballtor und einen Volleyballplatz errichtet. Nachdem wir das Abendbrot zubereitet haben, alle satt sind, alle Aufgaben erledigt haben und alle Probleme gelöst sind, sinken wir – wenn alles gut geht – halb zehn ins Bett.










In den Monaten vor unserer Anreise ist ein neues Gebäude neben dem Projekt entstanden, welches sowohl Zimmer für die Chicos und Chicas, als auch einen großen Saal und ein neues Büro beherbergt. Bis zur Einweihung Anfang Februar gab es hier noch viel zu tun und jeden Tag werkelten wir daran. So mussten zum Beispiel die Wände und Decken gestrichen werden. Dabei half uns auch unser Freund Andreas aus Deutschland, der gerade mit dem Fahrrad durch Südamerika unterwegs ist und uns über Weihnachten besucht hat.

Am 25.12. sind wir mit Rocio, Roberto und Kindern aus Panzaleo in die Berge gefahren und haben in einem sehr abseits gelegenen Dorf, aus welchem drei Jugendliche von uns kommen, Decken und Süßigkeiten verteilt. Dies war ein sehr eindrückliches Erlebnis für uns, denn wir haben zum ersten Mal gesehen, aus welchen Verhältnissen die Jugendlichen des Centros Chaka Wasi kommen. Nun schauen wir auf die ein oder andere nicht ganz so funktionierende Sache hier im Projekt etwas gelassener, da wir nun wissen, dass sie hier sehr viel komfortabler leben und lernen als zu Hause. Allgemein betrachten wir durch das Leben hier, unser Leben in Deutschland sehr viel wertschätzender und realisieren immer mehr, welchen Luxus wir Tag für Tag als normal betrachten. Fließendes Wasser, Elektrizität, ja sogar Toilettenpapier und Schulbildung, welche nicht mit dem zwölften Lebensjahr endet, sind hier keine Alltäglichkeit.


Zum Thema Schulbildung lässt sich noch einiges sagen: auch da helfen wir mit, vor allem bei Englisch-, Mathe-, Physik- und Chemiehausaufgaben sind wir gefragt, denn da kommen die Mitarbeiter an ihre Grenzen. Aber so rosten wir selbst wenigstens nicht ein und betätigen uns, neben all der körperlichen Arbeit, auch geistig. Einmal die Woche fahren wir hoch auf 4000m nach Casa Quemada, um dort in der Grundschule zu unterrichten. Dass es nicht ganz einfach ist, Vierjährigen Englisch oder spanische Literatur beizubringen (ganz davon abgesehen, dass wir auch sprachlich noch unsere Probleme haben) kann man sich sicher vorstellen. Aber viel wichtiger als Textverständnis oder englische Zahlen ist es, Zeit mit den Kindern zu verbringen und die Herzen der Kinder mit Liebe und Wärme zu füllen. Die Menschen in Casa Quemada und allgemein in den Andendörfern sind sehr arm und leben in Verhältnissen, die wir uns bis dahin nicht vorstellen konnten. Wenn wir donnerstags nach 1000 überwundenen Höhenmetern und eingepackt in Multifunktionshose, Thermounterwäsche, Schal und warmer Jacke oben ankommen, dann empfangen uns Kinder mit zerlöcherten Socken und einer dünnen Schuluniform, mit kleinen roten, verbrannte Wangen, aber einer solchen Lebensfreude, dass wir uns wirklich fragen, wo sie diese Energie hernehmen.


So vergehen die Wochen hier sehr schnell und immer, wenn die Jugendlichen sonntags ins Projekt zurückkehren, haben wir das Gefühl, eine neue Woche Klassenfahrt beginnt. Wir könnten noch viel berichten von unserem Alltag hier in Chaka Wasi, aber fürs Erste soll es das gewesen sein.
Hasta luego Kevin & Charlotte










Ein Mädchen aus Pujilí

Rosa kam im August 1997 in einem kleinen, abgelegenen Dorf zur Welt. Sie ist die Drittälteste von neun Geschwistern. Ihr Vater ist Tagelöhner und ihre Mutter arbeitet im Haus und auf dem Feld.
Als Kind erlitt Rosa schwere physische und psychische Misshandlungen. Außerdem wurde sie diskriminiert, weil sie ein Mädchen war. In der Ideologie der Dörfern ist es z.T. so, dass Frauen, um Kinder groß zu ziehen und um Tiere zu versorgen nicht lesen und schreiben können müssen.
Aber nichts desto trotz wollte Rosa zur Schule gehen. Als der ersehnte Tag kam, sagte sie: „Das war ein glücklicher Tag. Ich hatte immer diesen Traum. Meine Eltern meinten, es sei nicht notwendig, dass Frauen lernen. Ich fühlte mich verloren und hatte keinerlei moralische Unterstützung. Immer lebte ich in dieser Leere. Klar halfen mir meine Eltern bei den Ausgaben für die Schulsachen, aber nicht aus Wohlwollen, um mir zu helfen, sondern aus Pflichtgefühl.“
Um die Kosten der Grundschule mitzutragen (Stifte, Hefte, … ) verkaufte Rosa auf dem Großmarkt Gemüse. Im Juli 2010 schloss sie die Grundschule (7. Klasse) mit den besten Noten ab und wieder folgte eine schwierige Zeit wegen Geldmangel und der Einstellung der Eltern, dass Mädchen keine weiterführende Schule besuchen brauchen.
Weil Rosa so sehr bettelte, begleitete ihre Mutter sie zum Colegio (weiterführende Schule), um sie einzuschreiben. Aber sie hatten nicht das Geld dafür. Glücklicherweise trafen sie einen Verwandten und der wusste Hilfe: „Du kannst dich an die Fundación Jardín del Edén wenden. Dort bekommst du alles.“
So kam es, dass Rosa im August 2010 ins Zentrum Chaka Wasi kam, um ihre Träume zu erfüllen, den jüngeren Geschwistern zu helfen und um der Familie in der schwierigen ökonomischen Situation beistehen zu können.
… Jetzt studiert Rosa Laborassistentin. Um die Kosten zu zahlen, wird sie von der Fundación Jardín del Edén unterstützt.
Rosa schreibt:
„Dass ich meine Jugend im Zentrum Chaka Wasi verbrachte, war ein großer Segen für mein Leben. Mein Leben veränderte sich komplett: ich hatte jetzt einen sicheren Ort zum Wohnen, Essen, Liebe, Verständnis, moralische und ökonomische Unterstützung beim Lernen, was ja mein größter Wunsch war. Während dieser Zeit war ich sehr glücklich, weil ich mich auf (vorerst) Unbekannte verlassen konnte. Und ich danke Gott für diese Menschen, auch die weit weg sind und uns unterstützen, jeden einzelnen in seinem Leben
Ich glaube, noch habe ich nicht das Vertrauen und die moralische Unterstützung meiner Eltern, aber ich hoffe, dass ich es eines Tages bekomme. Trotz allem habe ich meine ganze Familie lieb.
Mein Traum ist es, einen Titel zu erlangen, um meiner Familie zu helfen und ein würdevolles Leben zu haben, wie ich es mir immer erträumt habe. Das gleiche wünsche ich für meine kleine Schwester, die bedingungslose Hilfe braucht, weil sie eine Hör- und Sprachbehinderung hat. Sie war der Liebling meines verstorbenen Bruders. Sie ist ein wunderbares Mädchen, das ich sehr bewundere und eins der wichtigsten Gründe, um weiter zu machen und meiner Zielstrebigkeit treu zu bleiben.“
Rosa

Erfahrungsbericht Volontariat

von Svenja Conzelmann - November 2016
Nachdem ich im Juli mein Abitur abgeschlossen hatte, war klar: Erst mal raus hier und was erleben. Neugierig durch Spendenaktionen für die Fundacion meiner alten Schule, wollte ich unbedingt ein Volontariat in einem der Projekte machen.
Ich glaube man lernt selten so viel in solch kurzer Zeit, wie bei einem Volontariat dieser Art.
Jederzeit würde ich wieder die Entscheidung treffen, ein paar freiwillige Monate im Projekt Chaka Wasi der Fundacion Jardin del Eden zu verbringen.
Der erste Monat war nicht einfach, das möchte ich nicht verheimlichen. Das lag aber nicht an fehlender Herzlichkeit von Rocio, Alexandra oder den Jugendlichen! Es war wohl der allbekannte „Kulturschock“. Neue Sprache (wer Schulspanisch lernt, muss erst mal den Akzent hier verstehen), andere Ernährung, Kultur, Alltag und natürlich kennt man anfangs noch niemanden.
Aber hat man das erst mal hinter sich gelassen, macht es unheimlich Spaß im Projekt und mit den Jugendlichen zu arbeiten. Fast kein Tag läuft wie der andere ab, weshalb es das Beste ist, seine Aufgaben, die auf einen bestimmten Tag hin fertig sein müssen, zwei Tage vorher erledigt. Ein gutes Beispiel ist die Vorbereitung für den Englischunterricht in Casa Quemada. Man weiß schließlich nie, was dazwischen kommt.
Was ich mit lernen meine, ist relativ breit gefächert! Es ist wohl das einfachste, ein paar Beispiele aufzuführen.
Mir ist hier einmal mehr aufgefallen, dass man in Deutschland kaum noch eine Relation hat zu dem, was man isst. Wie viel Arbeit hinter einer Kartoffel oder Tomate steckt. Statt wie zuhause im Supermarkt oder auf dem Wochenmarkt einzukaufen, bauen wir hier den Großteil an Gemüse, und inzwischen auch ein paar Früchte, selbst an. Man pflanzt, jätet regelmäßig das Unkraut, reguliert das Wasser, pflegt die Pflanzen, erntet - und lernt zu schätzen was man isst!

Ein Satz von Rocio ist mir besonders im Gedächtnis geblieben:
„Armut entsteht in den Köpfen!“
An einem Wochenende haben wir mit den Jugendlichen über Armut gesprochen, Videos zum Thema angeschaut und Armut in Afrika mit der in Ecuador verglichen. Fazit war, in Ecuador gibt es Trinkwasser, fruchtbare Erde... zwei Dinge die es in den dort behandelte Gebieten nicht hat. Ebenso wurde gesagt, Armut ist kein Anlass zum Stehlen, zu Unordentlichkeit oder Verschmutzung der Umwelt, in dem man z.B. seinen Müll in den nächsten Graben wirft. Tja, an diesem Wochende hat sich nicht nur die Sicht der Jugendlichen über Armut geändert, sondern auch meine.
Als letztes Beispiel möchte ich aufführen, dass es noch einmal etwas anderes ist, Jugendarbeit in einem fremden Land zu betreiben. Normalerweise bin ich es durch meine Jugendgruppen in Deutschland gewohnt mit Jugendlichen zu arbeiten: einfach mal was zu Spielen, Regeln und Grenzen aufzeigen oder bei Aufgaben zu helfen. Aber wenn häufig auf die Schnelle die Worte dazu fehlen, ist das gar nicht mehr so einfach und vertraut. Man muss nach und nach in die Arbeit hineinfinden und damit umgehen lernen, dass vieles anfangs nicht so klappt, wie man sich das wünscht. Was ich im Endeffekt daraus gelernt habe: mit neuen (Arbeits-) Umfeldern Schritt für Schritt umzugehen.
Zu den nicht schwierigen Dingen hier: Lachen, Spaß haben, unheimlich liebe Menschen kennenlernen, viel erleben und sehen!
Abschließend kann ich sagen, dass es mir schon nach der kurzen Zeit von drei Monaten, schwerfällt von hier zu gehen. Man fängt einfach an „sein ecuadorianisches Leben“ zu führen!

Neuigkeiten im September 2016

von Svenja Conzelmann (Volontärin)
Diesen Monat hat das neue Schuljahr begonnen. Aber nicht nur das Schuljahr war neu, auch viele neue Mitbewohner hat das Projekt Chaka Wasi bekommen. Unsere Chiquititos, wie wir sie nennen. Auch ich als Volontärin und der zweite Erzieher Diego sind neu. Diego kommt täglich um 14 Uhr um Alexandra zu unterstützen.
Damit alle rechtzeitig ihre Schulmaterialien haben, wurde in Ambato eine Großbestellung an Heften und Stiften und anderes aufgegeben (etwas über 1000$). Was noch fehlte wurde schnell in der örtlichen Papeleria besorgt. Zudem wurden viele neue Uniformen gekauft (für etwa 700$). Alles in allem, war der September ein recht kostspieliger Monat.





Der Monat brachte aber auch erfreuliche Dinge mit sich! Die Graduación von Sonia und das Juramento a la Bandera von Daniel und Marco. Das Juramento a la Bandera wird von allen Schülern absolviert, die in diesem Jahr ihr Abitur (Bachillerato) abschliessen werden.
Bei der Mitarbeitersitzung ging es unter anderem um die nötige Reparatur der Elektrizität im Projekt, so wie um das weitere Verfahren beim Bau des neuen Hauses.
Weiterhin wollen wir natürlich die Jugendlichen in ihrem Selbstvertrauen, der indigenen Identität und ihrer Disziplin bestärken!

Am dritten Wochenende des Monats gab es den allmonatlichen Putztag im Projekt. Dafür kamen die Eltern der Jugendlichen um bei der Arbeit im Hof, den Feldern und im Haus zu helfen.
Danach gab es noch ein Programm mit einigen Aktivitäten, bei denen sich alle mit ihrer indigenen Identität auseinandersetzten und feststellten, dass man stolz darauf sein soll. Hierfür kam extra ein Mitarbeiter des ecuadorianischen Ministeriums für Kultur. Dieser hilft ab und zu im Projekt mit.





Endlich steht das Gewächshaus!

von Chiara Arena (Volontärin) - August 2015

Vor sieben Monaten haben es sich die damaligen Volontäre Jan und Julius zur Aufgabe gemacht, das Gerüst eines nicht mehr verwendeten Gewächshauses vom Kinderheim in Panzaleo in Pujíli aufzubauen. In den zwei Monaten, in denen sie in Chaka Wasi waren, schafften sie es, das Metallgerüst aufzubauen und mit Beton zu fundieren. Doch da die finanziellen Mittel für die Plastikplane fehlten, stand das Gerüst seitdem unvollendet herum. Die neu gesammelten Spendengelder gaben uns nun endlich die Möglichkeit, das Projekt Gewächshaus erneut in Angriff zu nehmen. Also wurden zwei Bauarbeiter engagiert und Rocio und ich machten uns auf den Weg, die nötigen Materialien zu besorgen. Gute 700 Dollar später hatten wir dann (vermeintlich) alles beisammen und es konnte losgehen. Unter der Anleitung der Bauarbeiter fingen wir an Drähte zu spannen, Plastikplanen zu schneiden und im Gerüst herumzuklettern. Die Jugendlichen halfen mit. Leider blieb es auch nicht aus, dass Werkzeug oder Baumaterial fehlte und wir noch das eine oder andere Mal mehr in die Ferretería (eine Art Kleinbaumarkt) düsen mussten. Eigentlich war es der Plan, innerhalb einer Woche fertig zu werden. Aber der starke Wind machte uns einen Strich durch die Rechnung. Bis wir die Planen endlich bespannen konnten, ist dann doch mehr Zeit vergangen. Aber nach sieben Arbeitstagen war es endlich soweit: das Gewächshaus ist fertig und bereit für die erste Saat an Tomaten und Babaco (Sternfrucht). Wir erhoffen uns eine ertragreiche Ernte, sodass ein Großteil der Tomaten verkauft werden kann. Vielleicht können wir dann im nächsten Jahr einen schönen Ausflug mit den Jugendlichen machen.
Wir alle danken Ihnen allen von ganzem Herzen für ihre großzügige Spende!





















Förderung und Spendenaktionen

von Kristin Rößler

Chaka Wasi wird seit Jahresanfang finanziell nicht mehr vom ecuadorianischen Sozialministerium gefördert. Dies führt zu einer zusätzlichen Belastung. Laufende Kosten müssen nun allein durch die Michael-Günther-Stiftung abgedeckt werden. Andererseits gestaltete sich die Buchhaltung und Abrechnung mit dem MIES (Ministerio de Inclusion Economica y Social) durch sich ständig ändernde Richtlinien immer wieder neu als schwierig und war somit mit großem Zeitaufwand verbunden. Durch das Auslaufen der staatlichen Förderung werden allerdings leider keine zeitlichen Ressourcen frei. Eine bisher unterstütze Stelle kann nicht mehr finanziert werden. Myriam Allauca hat das Zentrum Chaka Wasi bis auf Weiteres verlassen. Die Information dieser erheblichen Veränderung verbinde ich mit meiner herzlichen Bitte um Spenden für alle Einrichtungen der Fundación Jardín del Edén.

Im vergangenen Jahr wurden durch unterschiedliche Spendenaktionen wieder außerordentliche Geldbeträge gesammelt. Traditionell wurde in und um Albstadt gesammelt sowie in Kirchgemeinden im sächsischen Mittelherwigsdorf und Dresden-Blasewitz. Vielen Dank an alle Spender!

Außerschulische Aktivitäten

von Rocio Simaluisa (übersetzt von K. Rößler)

Die schulischen Leistungen der Jugendlichen im vergangenen Halbjahr waren durchgehend zufriedenstellend. Neben ihrem eigenen Schulbesuch haben sie auch die Möglichkeit sich ehrenamtlich zu engagieren.
Chaka Wasi liegt in einem ländlich geprägten Stadtteil von Pujilí. Die kleinen Steinhäuser reichen meist nicht für die ganze Familie aus; Hütten oder Planenkonstrukte dienen als zusätzliche Räume für die Familien. Jugendliche Kinder dieser Familien werden von Chaka Wasi mit Schulmaterialien unterstützt. Sie haben außerdem die Möglichkeit an den Workshops teilzunehmen, die Chaka Wasi anbietet oder die regelmäßigen ärztlichen Untersuchungstermine wahrzunehmen. Das gilt auch für die Kinder im Grundschulalter. Sie haben noch einen anderen Grund in die Räume von Chaka Wasi zu kommen.

Wilmer steht mit einer Gruppe von Kindern auf dem Volleyballfeld. Er erklärt den Kindern die Spielregeln. Ein paar von ihnen sind noch ein bisschen außer Atem von dem letzten Spiel. Aber sie sind augenscheinlich mit Freude dabei, wenn Wilmer mit ihnen Spiele ausprobiert und sie sich somit niederschwellig soziale Kompetenzen aneignen. Genauso geht es den Kindern, die im Speiseraum mit Marisol und draußen mit Bayron und Cristhian sitzen. Sie üben in kleinen Gruppen lesen. Marisol, Bayron und Cristhian erklären ihnen schwierige Wörter. Am Ende malen die Kinder noch ein Bild zu der Geschichte in ihr Heft.
Wilmer, Marisol, Bayron und Cristhian sind Jugendliche, die schon mehrere Jahre in Chaka Wasi leben. Sie sind 16 Jahre alt. Sie unterstützen die Kinder aus dem Stadtteil und können eigene Komptenzen entwickeln.

Landwirtschaft

von Rocio Simaluisa (übersetzt von K. Rößler)

Nach den Hausaufgaben machen sich Luis, Marcia und Fernanda auf den Weg zum Feld. Sie laufen an den Stangen des Gewächshauses vorbei. Das Gewächshaus ist immer noch nicht fertig; die Plastikplane fehlt nach wie vor. Die Konfirmanden der Kirchgemeinde Dresden- Blasewitz haben sich als Ziel gesetzt, die gleichaltrigen Ecuadorianer im Bildungszentrum Chaka Wasi zu unterstützen und mit ihrer Konfirmandengabe die Plastikplane zu finanzieren.

Doch trotz unfertigem Gewächshaus werden die Felder des Grundstück um Chaka Wasi bebaut. Ende Oktober haben Luis, Marcia und Fernanda mit den anderen Jugendlichen Kartoffeln gesteckt, Mais und Melloco (eine Knollenfrucht) gesät. Nun nach fünf Monaten steht die Ernte an. Anscheinend war die Pflege der Jugendlichen und Mitarbeiter gut: Luis streckt seinen Daumen nach ob. Die Ernte von nur einer Furche war ein ganzer Zentner Kartoffeln. Es warten noch 5 weitere Furchen auf die Ernte. Aber das ist die Aufgabe für morgen.

Durch die fleißigen Hände der Mitarbeiter und Jugendlichen konnten die Kosten für die Lebensmitteleinkäufe seit Dezember reduziert werden. Mit Kartoffel, Mais, Melloco, Salat versorgt sich Chaka Wasi inzwischen teilweise selbst. Die Ernte ist so reichlich, dass Chaka Wasi pro Woche zwei Säcke Kartoffeln an das Kinderheim im Panzaleo verkaufen kann. Damit erwirtschaftet das Zentrum Chaka Wasi eigene Mittel und kann somit die stark steigenden Preise in Ecuador ein wenig kompensieren.

Erleichtert wird die landwirtschaftliche Arbeit durch ein Wasserreservoir, was im vergangenen Jahr fertig gestellt wurde. Es befindet sich auf dem Gelände von Chaka Wasi und wurde von hauptsächlich vom ecuadorianischen Staat finanziert. In das Reservior wird Wasser aus dem regulären Kanalsystem eingespeist. Anspruch auf das Wasser hat Chaka Wasi zweimal in 14 Tagen. Bisher lief viel Wasser ungenutzt über das Feld, weil es zu viel auf einmal war. Nun können es Mitarbeiter und Jugendliche gezielter nutzen und eine gleichmäßige Bewässerung gewährleisten.

Workshops

von Rocio Simaluisa (übersetzt von Kristin Rößler)

Zum Konzept von CHAKA WASI gehört neben der schulischen auch außerschulische Bildung. Diese wird vor allem durch Workshops realisiert. Die Jugendlichen und das Team von Chaka Wasi können auf zwei größere Workshops in der vergangenen Zeit zurückblicken.

Workshop zum Umgang mit Müll: In Chaka Wasi wird Müll getrennt. Das ist an sich nichts Besonderes – für ecuadorianische Verhältnisse schon! Normalerweise wird Müll gesammelt, Biomüll eventuell noch verwertet und der Rest wird verbrannt. In Chaka Wasi wird in Schweinefutter, Biomüll und Restmüll getrennt. Der Biomüll wandert auf den Komposthaufen. Der Restmüll wird gesammelt und einmal in der Woche zu den städtischen Müllcontainern gebracht. In Pujili gibt es zirka 6 Sammelstellen für 6800 Einwohner – es ist ein Anfang. Ecuador braucht vor allem eine wirkliche Alternative, wie der Müll sinnvoll beseitigt werden kann. Laut Medienberichten ist Staatspräsident Rafael Correa interessiert an dem Modell der Berliner Abfallentsorgung.
Die Jugendlichen erleben Mülltrennung. Für den Umgang mit Müll fand ein neuer Workshop statt. Neben einer inhaltlichen Auseinandersetzung erfolgte vor allem die praktische Umsetzung. Die Jugendlichen bemalten Tonnen, die für den Abfall auf dem Gelände des Projektes aufgestellt wurden. So sollen die Jugendlichen sensibilisiert werden, selbst darauf Acht geben und darauf Wert legen, Müll im Allgemeinen nicht herumliegen zu lassen. Mit ihren Kenntnissen sollen sie gute Gewohnheiten entwickeln: Sauberkeit und Ordnung, Recycling und den Respekt vor den Ressourcen der Natur.

Unser Abschied aus Pujilí

von Jan Abraham und Julius Rößler

So schnell wie unser Abenteuer in CHAKA WASI begann, so schnell ist es auch schon wieder beendet. Acht Wochen haben wir mit den Jugendlichen und den Mitarbeiter_innen gemeinsam gelebt, gegessen, gelacht und unsere Zeit geteilt. Rückblickend haben wir eine Menge an Erfahrungen sammeln können und dabei reden wir nicht nur von unseren ersten Spanischkenntnissen, die uns auf unser nun folgenden Reise begleiten werden. Wir hatten die Möglichkeit einen Teil eines Lebens in Ecuador kennen zu lernen. So wird uns definitiv die Aussage "mañana, mañana" (morgen, morgen) im Kopf bleiben. Damit meinen wir die Feststellung, dass sich manche Mühlen hier langsamer drehen als in Deutschland, eine ungewohnte aber durchaus interessante Erfahrung.

In den letzten Wochen unseres Aufenthaltes konnten wir tatsächlich unser Projekt Gewächshaus, so weit wie uns möglich war, fertigstellen. Das Gerüst steht, die Stahlkabel sind gespannt und es fehlt nur noch die Plastikplane. Die letzte Aussage vor unserer Abreise war, eine ecuadorianische Firma wolle die Kosten dafür übernehmen. Somit fallen für CHAKA WASI keine weitere Ausgaben an. Wir hoffen, dieses Versprechen wird eingehalten und vor Ort kann tatsächlich eines Tages das eigene Gemüse aus dem Gewächshaus genutzt werden. Wir danken an dieser Stelle der Michael-Günther-Stiftung, die unser Vorhaben finanziell unterstützte und die Anschaffung der Baumaterialien wie Werkzeuge, Zement und Schrauben ermöglichte.

In der letzten Woche feierten wir in großer Runde unseren Abschied von CHAKA WASI, da uns unser Weg nun weiter führen wird. Zunächst für etwa eine Woche nach Panzaleo um das Kinderheim vor Ort etwas genauer kennen zu lernen und bei Malerarbeiten zu helfen. Während der folgenden Reise möchten wir auch noch das Projekt in Sucua besuchen, um uns damit einen kompletten Eindruck der Fundación zu verschaffen. Wir bedanken uns hiermit für die Unterstützung aller Menschen in Ecuador und in Deutschland. Wir haben die Zeit in CHAKA WASI sehr genossen und sind froh diese Erfahrungen gemacht zu haben. Jetzt freuen wir uns auf unsere bevorstehenden Reise bis nach Santiago de Chile und sind gespannt wer und was uns alles auf diesem Weg begegnen wird.

Viele Grüße aus Ecuador, Julius und Jan

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